Instrumentalis

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Instrumentalis oder Instrumental – dt. auch Womit-Fall – bezeichnet in der Linguistik den Fall (Kasus), der das Mittel ausdrückt, mithilfe dessen eine Handlung ausgeführt wird.

Bedeutung

Mit Hilfe des Instrumentalis wird zum Ausdruck gebracht, dass eine Handlung eines Agens durch den Einsatz des so bezeichneten Gegenstands ermöglicht oder gefördert wurde. Die ursprüngliche Bedeutung des Instrumentals ist also die Bezeichnung des Mittels oder Werkzeugs, mit welchem eine Handlung ausgeführt wird.

Verbreitung

Den Instrumentalis gibt es als Kasus in vielen Sprachen der Welt. Er war zum Beispiel einer von vermutlich acht Fällen des Substantivs, die das Urindogermanische kannte und einige indogermanische Sprachen noch heute kennen, etwa die baltischen und slawischen Sprachen. In den meisten heutigen indogermanischen Sprachen ist der Instrumentalis durch eine präpositionale Fügung ersetzt worden (mit einem Hammer [dt.], avec un marteau [frz.]). In der lateinischen Sprache ist der Instrumentalis im Ablativ aufgegangen.

Beispiel aus der indogermanischen Ursprache:

Nominativ *kʷékʷlos ‘(ein/das) Rad’
Instrumentalis *kʷékʷloh₁ ‘mit (einem/dem) Rad’

Entwicklung in den germanischen Sprachen

Im Urgermanischen dürfte der Instrumentalis wie folgt ausgesehen haben:

Fall Urgermanisch Neuhochdeutsch
Instrumentalis *hwehwlō mit einem/dem Rad
Nominativ *hwehwlą ein/das Rad

Im Deutschen verschmolz der Instrumentalis, der im Althochdeutschen noch vorhanden war – wenn auch hier ebenfalls nur noch rudimentär –, wegen zunehmender Gleichlautung seiner Endungen mit dem Dativ, der sodann auch die Funktionen des Instrumentalis übernahm. In einem Wort allerdings lebt dieser Fall in unserer Sprache bis zum heutigen Tage fort: Das Fragewort „wie“ (ahd. (h)wiu) stellt eigentlich den Instrumental zu „was“ (ahd. (h)waz) dar und übernimmt auch heute noch dessen Funktion.

In „heute“ und „heuer“ steckt ebenfalls ein Fürwort dieses Falles: Beide Umstandswörter, die im Althochdeutschen hiutu bzw. hiuru lauteten, sind Zusammensetzungen aus den Phrasen im Instrumental hiu tagu („an diesem Tage“) und hiu jâru („in diesem Jahre“). Gleich gebildet ist das „heute“ bedeutende Zeitadverb „heunt“, das noch im Bairisch-Österreichischen mundartlich als 'heint’ vorkommt: hînaht (hiu nahtu, ,in dieser Nacht‘) lautete es auf Althochdeutsch.

Entwicklung in den slawischen Sprachen

Alle slawischen Sprachen außer Bulgarisch und Mazedonisch haben den Instrumentalis als einen eigenen morphologisch markierten Fall erhalten, der sogar oft noch vielfältige weitere Funktionen entwickelt hat, aber in vielen Fällen gleichwohl der Ergänzung durch eine Präposition bedarf.

‘Eigentlicher’ Instrumentalis

Ohne Präposition dient der Instrumentalis zur Bezeichnung eines Mittels oder Werkzeugs für eine Handlung, also zur Bildung einer Adverbialphrase:

* Bosnisch/Kroatisch/Serbisch: Pišem rukom.
* Polnisch: Piszę ręką.
* Russisch: Pišu rukoj.
* Tschechisch: Píšu rukou.
* Ukrainisch: Pišu rukoju.
„Ich schreibe händisch/von Hand/mit der Hand.“

Agensmarkierung

In einigen slawischen Sprachen dient der Instrumentalis außerdem in Passivkonstruktionen zur Bildung der Agens (Linguistik)phrase, d. h., er drückt aus, durch wen eine Handlung vorgenommen wird:

* Russisch: On byl ubyt drugom.
* Slowakisch: Bol zabitý kamarátom.
* Tschechisch: Byl zabit kamarádem.
* Ukrainisch: Vin buv ubytyj drugom.

Im Polnischen ist diese Art der Agensmarkierung nur mittels Präposition przez möglich. Diese verlangt jedoch nicht den Instrumentalis, sondern den Akkusativ:

* Polnisch: Został zabity przez przyjaciela.

Im Bosnisch/Kroatisch/Serbischen ist die Agensmarkierung durch den Instrumental selten und auf Inanimata beschränkt:

* Serbokroatisch: Je ubijen automobilom. (nicht: prijateljem)

Prädikativer Instrumentalis

Für die slawischen Sprachen ist auch der prädikative Instrumental typisch, dessen Verwendung jedoch in den heutigen Idiomen schwankt.

* Polnisch: Ja byłem studentem.
* Russisch: Ja byl studentom.
* Slowakisch: Bol som študentom.
* Tschechisch: Byl jsem studentem.
* Ukrainisch: Ja buv studentom.
„Ich war Student gewesen.“

In manchen slawischen Sprachen ist der prädikative Instrumentalis allerdings durch den prädikativen Nominativ ersetzt worden:

* Bosnisch/Kroatisch/Serbisch: Bio sam student.
* Slowenisch: Sem bil študent.

Lokaler Instrumentalis

In manchen slawischen Sprachen dient der Instrumentalis auch zur Bildung von Adverbialphrasen, die lokale Bedeutung haben und im Deutschen mit einer durch-Präpositionalphrase wiedergegeben werden können:

* Tschechisch: Jdu lesem. „Ich gehe durch einen Wald.“
* Bosnisch/Kroatisch/Serbisch: Šetam gradom. „Ich spaziere (kreuz und quer) durch die Stadt.“

Temporaler Instrumentalis

Im Bosnisch/Kroatisch/Serbischen kann der Instrumentalis auch temporale Bedeutung haben:

* Dolazi vikendom. – Er/Sie kommt (regelmäßig) am Wochenende.
* Dolazi radnim danima Er/Sie kommt an Werktagen.

Verwendung mit Präpositionen

Eine neuere Entwicklung ist die Verwendung des Instrumentalis mit Präpositionen.

Komitative Verwendung

In komitativer Bedeutung wird der Instrumentalis von den meisten slawischen Sprachen mit der Präposition s (polnisch: z) verwendet, die sich ins Deutsche als „(gemeinsam) mit“ übersetzen lässt:

* Polnisch: Przyjechałem z przyjacielem.
* Russisch: Ja prišel s drugom.
* Serbokroatisch: Došao sam s prijateljem.
* Slowakisch: Prišiel som s kamarátom.
* Slowenisch: Prišel sem s prijateljem.
* Tschechisch: Přišel jsem s kamarádem.
„Ich kam mit einem Freund.“
Verwendung mit Lokalpräpositionen
  • Mit anderen Präpositionen: za (nach – nach etwas streben etc.), pod (unter), nad (über), przed (vor)…

Entwicklung in den baltischen Sprachen

Lettisch

Im Lettischen ist der Instrumentalis als morphologisch distinkter Kasus nicht mehr vorhanden, sondern ist im Singular mit dem Akkusativ und im Plural mit dem Dativ zusammengefallen. Dieser Synkretismus gilt für alle Substantivklassen des Lettischen. Auch in seiner Verwendung ist der Instrumentalismus auf Adverbialphrasen mit der Präposition ar beschränkt.

Litauisch

Im Litauischen ist der Instrumentalis als morphologisch distinkter Kasus erhalten, wie man am Beispiel „Zahn“ sehen kann:

Kasus Singular Plural
Nominativ dantis dantys
Instrumental dantimi dantimis

In prädikativer Verwendung ist die Opposition Nominativ/Instrumental semantisch distinktiv: Inhärente Eigenschaften des Subjekts erfordern in der Regel den Nominativ, zeitweilige dagegen den Instrumental.

Eine sekundäre Bedeutung des Instrumentalis im Litauischen (wie auch in einigen slawischen Sprachen) ist die Lokalbedeutung, z. B. litauisch eiti mišku („durch den Wald gehen“).

Andere Sprachen

Auch außerhalb der indogermanischen Sprachfamilie gibt es Formen des Instrumentalis, etwa in den finno-ugrischen Sprachen und in den Turksprachen.

Im Ungarischen etwa wird nach den Regeln der Vokalharmonie das Suffix -val bzw. -vel an ein Substantiv angefügt:

egy ló ‘ein Pferd’ – egy lóval ‘mit einem Pferd’
a bicikli ‘das Fahrrad’ – a biciklivel ‘mit dem Fahrrad’

Auch das Türkische kennt die Suffixe -in/-ın, welche nach den Regeln der Vokalharmonie an das Substantiv angefügt werden. Dieser Fall kommt heutzutage aber selten vor und war früher weiterverbreitet.

gelmek ‘kommen’ – gelmeksizin ‘ohne zu kommen’
kış ‘Winter’ – kışın ‘im Winter’, ‘winters’
yapmak ‘machen’ – yapmaksızın ‘ohne zu machen’
yaz ‘Sommer’ – yazın ‘im Sommer’,' ‘sommers’

Einzelnachweise