Mobil­funk im Urlaub So vermeiden Sie Handy-Kostenfallen im Ausland

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Mobil­funk im Urlaub - So vermeiden Sie Handy-Kostenfallen im Ausland

Flexibel. Egal, ob am Strand oder in der Groß­stadt: Mobiles Surfen muss für Reisende heute kein finanzielles Risiko mehr sein. © Adobe Stock / LStockStudio

Wer mit dem Smartphone ins EU-Ausland reist, kann weit­gehend sorglos telefonieren, simsen und surfen. In anderen Ländern ist Vorsicht geboten. Wir geben Tipps.

Groß­zügige Rege­lungen für EU-Roaming

„Roam like at home“ heißt ein bekannter Slogan. Telefonieren, Simsen und Surfen kostet im EU-Ausland grund­sätzlich genau so viel wie zu Hause. Ein Beispiel: Wer als deutscher Mobil­funk­nutzer seinen Urlaub in Spanien verbringt, zahlt für alle Telefonate in deutsche und spanische Netze so viel, wie es in seinem Vertrag für Heimatgespräche vereinbart wurde. Auch für einge­hende Anrufe aus Deutsch­land während des EU-Urlaubs entstehen keine zusätzlichen Kosten, weder für die Angerufenen noch für die Daheim­gebliebenen.

Für Gespräche ins EU-Ausland – etwa um vor dem Urlaub im Hotel vor Ort anzu­rufen – werden dagegen Extra-Gebühren fällig. Die Höchst­werte dafür wurden im Mai 2019 gedeckelt. Sie liegen aktuell bei 19 Cent pro Minute, egal ob mit dem Handy oder aus dem Fest­netz angerufen wird. Eine SMS darf höchs­tens 6 Cent kosten.

Roaming-Verordnung verlängert

An das „kostenlose“ Roaming im EU-Ausland haben sich viele Urlauber seit der Einführung im Jahr 2017 inzwischen gewöhnt. 2022 wurde die zugrunde liegende Roaming-Verordnung der EU um weitere zehn Jahre verlängert – sie gilt vor­erst bis 2032. Zusätzlich wurde die Verordnung durch einige verbraucherfreundliche Regeln ergänzt: Provider dürfen die Surf­geschwindig­keit beim Roaming zum Beispiel nicht mehr drosseln. Wer also daheim mit schnellem 5G-Internet surft, kann das nun auch in Frank­reich, Spanien oder Schweden tun – zumindest, wenn es die Netz­abdeckung hergibt. Außerdem müssen Verbrauche­rinnen und Verbraucher besser über Dienste informiert werden, die im Ausland doch mehr kosten können als daheim, etwa Anrufe bei Kunden­diensten.

Auf Ausnahmen achten

Außer in sämtlichen EU-Mitglied­staaten gelten die EU-Roaming-Rege­lungen auch für Liechten­stein, Norwegen und Island und auch in einigen Über­seegebieten wie La Réunion oder Martinique. Eine weitere gute Nach­richt: Besucher aus Deutsch­land müssen sich trotz des voll­zogenen Brexits in Groß­britannien derzeit noch nicht auf zusätzliche Roaming-Gebühren einstellen. Die großen Mobil­funkanbieter 1&1, Vodafone, Telefónica (O2) und Telekom haben bislang die Konditionen noch nicht geändert.

EU-Regeln gelten nicht in allen europäischen Ländern

San Marino, Andorra, die Isle of Man, die Kanal­inseln, Gibraltar und die Vatikan­stadt und andere fallen nicht unter die EU-Roaming-Verordnung. Einige Anbieter ordnen diese Gebiete trotzdem der EU-Länder­liste zu und gewähren güns­tige Konditionen. Reisende sollten sich vorab bei ihrem Mobil­funkanbieter dazu erkundigen. Nicht unter die EU-Roaming-Verordnung fallen die Schweiz und die Türkei. Nur Post­paid-Kundinnen und Kunden der Telekom können ihr Handy in der Schweiz derzeit zu EU-Konditionen nutzen.

Wichtig: Die Mobilfunknetze von Schiffen und Flugzeugen unterliegen ebenfalls nicht den EU-Roaming-Rege­lungen – auch dann nicht, wenn die Reise inner­halb der EU statt­findet.

Fall­stricke kennen, Handy­kosten klein halten

Vertrag. Prüfen Sie in Ihrem Mobil­funk­vertrag vor dem ­Urlaub je nach Reise­land, was Telefonieren und Surfen in diesem Land kosten würde. Das ist nötig, wenn die EU-Roaming-Regeln, nach denen Sie keinerlei Zusatz­kosten haben, dort nicht gelten.

Weitere Optionen. Sieht Ihr Handy­vertrag für Ihr Urlaubs­land hohe Kosten oder Einschränkungen vor oder planen Sie, das Handy im Urlaub intensiver zu nutzen als sonst, ­sollten Sie prüfen, ob sich kostengüns­tigere Optionen dazu­buchen lassen.

Hotspots. Nutzen Sie im Ausland öffent­liche kostenlose WLan-Hotspots. Verzichten Sie dann aber sicher­heits­halber auf Anwendungen wie Online­banking oder Onlineshopping.

Besonderheiten beim EU-Roaming

Eine Einschränkung: Verbringen Kundin oder Kunde inner­halb von vier Monaten mehr Zeit im EU-Ausland als zu Hause und nutzen dort häufig Mobil­funk, kann es sein, dass der Mobil­funkanbieter Aufschläge fordert. Das darf allerdings nicht ohne eine Warnung vorab geschehen. Die Regelung fällt unter die sogenannte Fair Use Policy – eine Klausel, die eine über­durch­schnitt­liche Nutzung der Mobil­funk­verträge im Ausland verhindern soll. In EU-Ländern sind die Mobil­funk­kosten unterschiedlich hoch. Die Regelung unterbindet, dass jemand etwa einen güns­tigen Vertrag im Estland-Urlaub abschließt und so die höheren Kosten in Deutsch­land umgeht.

Eine Besonderheit sind WLan Calls, auch WiFi Calling genannt, die auf neueren Smart­phones laufen. Die Tonqualität der Telefonate in WLan-Netzen gilt als besser und stabiler. Achtung: Bei Reisen in EU-Ländern zählen sie teils als teure Auslands­gespräche – besser ist es, die Einstellung auf Auslands­reisen zu deaktivieren.

Der Rest der Welt: oft extrem teuer

Kaum ist das Flugzeug gelandet oder eine Grenze passiert, informieren Anbieter per Text­nach­richt über die Mobil­funk­kosten während der Reise. Diese Informationen sollte man unbe­dingt beachten. So verlangt Vodafone etwa pro Telefonminute in Kuba oder auf den Malediven 3,99 Euro, die Nutzung mobiler Daten schlägt dort mit 16,99 Euro pro Megabyte (MB) zu Buche. Weit kommen Internetsurfer mit einem MB nicht. Allein ein zehnminütiger Youtube-Clip verschlingt bei mitt­lerer Qualität etwa 75 MB. Kosten drohen auch, wenn Apps sich unbe­merkt aktualisieren oder E-Mails abge­rufen werden. Außerdem können in einigen Ländern bei einge­henden Anrufen Zusatz­kosten entstehen.

Kostenfalle Daten­roaming

Was passieren kann, wenn man allzu unbe­darft sein Smartphone im Ausland nutzt, erfuhr der Vorstand eines Vereins. Der Mann fuhr mit dem Vereins­handy mit Flatrate-Vertrag (50 Euro monatlich) nach Kanada. Das Handy wählte sich ins kana­dische Netz ein: Die Roaming­kosten betrugen rund 2 464 Euro. Der Fall landete vor Gericht, das entschied, dass der Verein nicht die volle Summe zahlen muss. Begründung: Die Mobil­funk­firma müsse nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen per SMS vor den Zusatz­kosten warnen (Amts­gericht München, Az. 113 C 23543/20). Da von Firmen mehr Geschäfts­erfahrung als von Privatleuten erwartet wird, blieben aber immerhin noch rund 553 Euro auf der Rechnung.

Roaming ausschalten ist oft sinn­voll

Durch die Nutzung mobiler Daten im Ausland – das sogenannte Daten­roaming – können immense Kosten entstehen. Es ist etwa möglich, dass ein einzelnes Youtube-Video, das zum Beispiel auf einer Fähre geguckt wird, Roaming-Gebühren von mehreren Hundert Euro verursacht.

Tipp: Sie können das Daten­roaming einfach ausschalten. Welche Möglich­keiten es dafür gibt und wie das bei den Betriebs­systemen ioS und Android funk­tioniert, erklären wir in unserer Anleitung Roaming ausschalten.

Schutz durch den Kosten-Airbag

Um die Gefahr von vier- oder fünf­stel­lige Hand­yrechnungen selbst bei moderater Daten­nutzung einzudämmen, wurde der Kosten-Airbag einge­führt. Er gilt welt­weit und funk­tioniert so: Sind 80 Prozent der voreinge­stellten Kosten­grenze von 50 Euro netto oder einer anderen selbst fest­gelegten Ober­grenze erreicht, muss der Anbieter eine Warnung ans Mobil­funk­gerät schi­cken. Ist die Grenze einmal über­schritten, wird die Daten­über­tragungs­geschwindig­keit stark gedrosselt, das Surfen wird mühselig.

Der Kosten-Airbag entfaltet sich jedoch nur, wenn der Daten­verbrauch im jeweiligen Land in Echt­zeit erfasst wird. Andernfalls erhalten Nutze­rinnen und Nutzer bei der Ankunft eine SMS, die entsprechend warnt.

Vor der Reise den Vertrag checken

Wer Über­raschungen am Urlaubs­ziel oder auf der Hand­yrechnung vermeiden will, sollte in seinen Mobil­funk­vertrag schauen und auf den Webseiten der Mobil­funkanbieter die Kosten im Reise­land abrufen.

Alle, die auf Reisen ins Nicht-EU-Ausland auf permanente Daten­empfangs- und -sende­möglich­keiten verzichten können, deaktivieren im Einstellungs­menü „Mobile Daten“ oder „Daten­roaming“. Die Balken oben rechts auf dem Smartphone-Display sind dann verschwunden. Anrufe aus der ­Heimat kommen noch durch. Zum Telefonieren kann man das Netz selbst auswählen, indem man „Auto­matische Netz­wahl“ deaktiviert. So lassen sich teils Kosten sparen.

WLan-Netze nutzen

Fotos verschi­cken, E-Mails abrufen und im Internet surfen ist nur noch in WLan-Netzen möglich, wenn das Daten­roaming abge­schaltet ist. Da in vielen Ferien­orten reichlich kostenloses WLan zur Verfügung steht, kommen viele Urlaube­rinnen und Urlauber gut mit dieser Lösung klar. Wichtig ist es, vorab zu klären, ob das jeweilige Netz geschützt ist. Ist das nicht der Fall, lieber keine vertraulichen Daten per Smartphone oder Tablet austauschen.

Lokale Sim-Karte kaufen

Bei Reisen auf eigene Faust sind mobile Daten praktisch. Sie erlauben es etwa, unterwegs ein Busti­cket zu kaufen oder die Restaurantbe­wertungen zu lesen. Wer das Handy etwas aktiver nutzt, kann für die Reise vorüber­gehend ­eine Sim-Karte oder eSim für das Reise­land installieren.

Wichtig: Anders als bei hier erhältlichen Sim-Karten bieten solche Angebote oft nur Daten­volumen. ­Telefonate sind gar nicht oder nur im jeweiligen Reise­land möglich.

Auslands­pakete buchen

Viele Mobil­funk­unternehmen bieten ihren Kunden zu einem Pauschal­preis Reisepakete für Nicht-EU-Länder, die tage- oder wochen­weise gelten und güns­tigere Tarife bieten. Ein Beispiel: 50 Telefonieminuten, ­50 SMS und 500 MB Daten­volumen kosten bei Vodafone für viele Ziele 9,99 Euro pro Tag. Wochen­weise gebucht, kostet die gleiche Menge an Minuten, SMS und Daten­volumen 34,99 Euro. Dazu kommen 500 MB extra. Vergleich­bare Angebote, teils auch monats­weise buch­bar und mit mehr Leistungen, haben auch O2, Telekom, Lebara und andere.

Apps nutzen um Kosten zu senken

Über WLan-Netze und mobile Daten lässt sich kostenlos mit Apps wie Threema, Signal oder WhatsApp von einem Ende der Welt ans andere telefonieren – sofern alle, die am Gespräch teilnehmen, denselben Messenger­dienst installiert haben. Anrufe ins Fest­netz und bei Teilnehmern, die solche Apps nicht installiert haben, sind mit Anbietern wie Skype welt­weit möglich und günstig. Die kostenlose App Satellite bietet 100 Freiminuten monatlich in die Netze vieler Länder.

Vorsicht in Grenz­regionen

Manchmal entstehen unerwartet hohe Auslands­kosten – etwa am Bodensee, wenn man sich in der Nähe der Schweizer Grenze befindet, den SMS-Hinweis zu den Roaming­kosten verpasst hat und sich das Handy in ein Schweizer Netz einwählt. Dann ist oft schnell die Kosten­grenze von 50 Euro netto für den Daten­verbrauch erreicht. Wer sich einer EU-Außen­grenze nähert, sollte daher die mobilen Daten im Einstellungs­menü deaktivieren. Oder das Handy in den Flugmodus versetzen, dann gehen auch keine Anrufe mehr ein.

Kostenfalle Mobilbox­abfrage

Inner­halb der EU ist die Abfrage der Mailbox kostenlos. Auf Reisen in andere Länder kann sie dagegen umso teurer werden.

Lieber abschalten. Es ist ratsam, bei Reisen ins Nicht-EU-Ausland vorab zu über­legen, ob die Mailbox im Urlaub wirk­lich aktiv sein muss. Unbe­antwortete Anrufe erscheinen auch auf dem Display. Die Mailbox lässt sich bei vielen – aber nicht allen – Mobil­funkanbietern über das Zahlen­feld abschalten, indem man die Kombination ##002# eingibt. Im Zweifel beim Anbieter nach­fragen. Auch wenn es um folgende Einstel­lungen geht:

Bedingte Rufumleitung. Die Mailbox springt an, wenn niemand abhebt, das Handy besetzt oder ausgeschaltet ist oder keine Netz­verbindung besteht. Die Einstellung nennt sich bedingte Umleitung, viele Mobil­funk­kunden nutzen sie immer. Das kann sich in Nicht-EU-Ländern rächen, denn während das Handy auf Reisen geht, bleibt die Mailbox sozu­sagen in Deutsch­land. Nutze­rinnen und Nutzer zahlen bei Abfragen dreifach. Kosten­pflichtig sind die Weiterleitung ins Auslands­netz, die Umleitung zurück zur deutschen Mailbox und das Abhören. Pro Abfrage werden mehrere Euro fällig.

Absolute Rufumleitung. Mit der Variante werden alle Anrufe umge­leitet: entweder auf andere Handy- oder Fest­netz­nummern oder direkt auf die Mailbox. Für Reisende, die auf die Mailbox umleiten und diese erst nach dem Urlaub abhören, entstehen keine Kosten. Erreich­bar sind sie dann jedoch nicht – je nach Lebens­lage ein Nachteil oder ein Vorteil.

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Kommentarliste

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  • Brindoridum am 19.06.2024 um 11:40 Uhr
    Monaco sollte im Artikel erwähnt werden

    Es sollte im Artikel erwähnt werden, dass auch Monaco nicht unter die EU-Roaming-Verordnung fällt.