Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

vulkan, m.

vulkan, m.

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(in älterer schreibung gelegentlich noch vulcan, s. Göthe I 25, 1, 27 W.); aus spätmlat. Vulcānus 'feuerspeiender berg' (auf den namen des feuer- und schmiedegottes Vulcānus zurückgehend, der zunächst auf den Ätna, als 'werkstätte Vulkans' übertragen, dann auch auf andere feuerspeiende berge angewandt wurde. als geographischer terminus wurde v. — nach Brockhaus 19 (1934) 708 — 1650 durch Varenius eingeführt, s. auch dessen bemerkg.: dicuntur autem hodie tales montes [ardentes] Vulcani geographia generalis (1671) 100). im dt. findet sich vulcanus als mythologische bezeichnung bereits bei Notker 1, 711 Piper, in der Zimmer. chron. ²2, 550 Barack, bei Wickram 7, 59 Bolte und Paracelsus bücher u. schr. 9 (1590) 54 Huser (hier im sinne von 'feuergeist'), während vulkan in der bedeutung 'feuerspeiender berg' frühestens im 17. jh. aufkommt (s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 3 (1910) 366) undwie krater und lava — erst im 18. jh. üblich wird; noch Adelung 4 (1801) 1316 verwirft vulkan für 'feuerspeiender berg' und empfiehlt die bereits von Zesen denkw. gesandtsch. (1670) 405 vorgeschlagene verdeutschung feuerberg. aus dem dt. gelangte vulkan 'feuerspeiender berg' ins schwed. (vulkan) und dän. (vulkan); das ndl. (vulkaan) jedoch, sowie das engl. (volcano) und frz. (volcan) erhielten es bedeutend früher durch ital. vermittlung.
A.
'feuerspeiender berg'.
1)
eigentlich.
a)
in literarischem sprachgebrauch:
doch eben dieses glück ...
versenkt ein stolzes land mit reichen unterthanen
in wilder ströme fluth, in schlünde der vulkanen
(mit unorg., durch d. reim hervorgerufenem n)
(1758) Lichtwer schr. 172 v. Pott;
die Philippinen, Molukken und die andern hin und wieder zerstreueten inseln sind alle nur vulkanischer art und viele derselben haben noch bis jetzt vulkane Herder 13, 41 S.; wenn ein vulcan sich aufthut und sein sprühendes getös ganze gegenden mit untergang bedroht Göthe I 25, 24 W.; aus dem Vesuv oder vielmehr einem untermeerischen vulkane Volger erde und ewigkeit (1857) 288; ich glaube, dasz die vulkane die schlote der hölle sind Josef Winckler der tolle Bomberg (1924) 135. oft im vergleich: erst wie er (Wilhelm) wieder besser wurde, ... sah er mit entsetzen in den qualvollen abgrund eines dürren elendes hinab, eine empfindung, als wenn man in den ausgebrannten hohlen becher eines vulkans hinuntersieht Göthe I 51, 100 W.; unter dem jauchzenden männergeschrei, das die luft erschütterte wie ein vulkan, ritt er seinem vater nach E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 106. in poetischer einzelanwendung auch vom eruptiven ausbruch eines brandes (explosion eines minenschiffes): von dem schlage des entzündeten vulkans war die Schelde bis in ihre untersten tiefen gespalten Schiller 9, 60 G., ebda öfter; vom aufflammen des geschützfeuers: im westen über Rees (der belagerten stadt) hatte sich, begleitet von einem donnerartigen krachen, der dunkle nachthimmel blutig rot gefärbt. alle geschütze auf den wällen, alle geschütze in den angriffslinien brüllten los ... und als peitsche der satan sie vorwärts, seiner hölle zu, hatte sich plötzlich diese ganze masse (des reichsheeres) ... in bewegung gesetzt, dem flammenden vulkan im westen entgegen W. Raabe s. w. I 4, 398 Klemm; durch Vergils 'volcano ecsuperante' Aeneis 2, 311 angeregt, auch zur bezeichnung des feuers schlechthin:
schon liegt, besiegt vom prasselnden vulkan
Deiphobus majestätsche burg im staube
...
vom flammenrothen wiederscheine brennt
des meeres spiegel und das firmament
Schiller 6, 362 G.
b)
in geologisch-geographischer fachsprache: 'eine stelle der erdoberfläche, an der magmatische stoffe aus dem erdinnern zutage gefördert werden, im engern sinne ein durch derartige stoffanhäufung entstandener berg (feuerberg, feuerspeiender berg)' Brockhaus 19 (1934) 708 s. v. vulkan (ebda auch weitere einzelheiten sowie lit.-angaben z. sachkunde); ähnlich bereits bei Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 597 und Hartmann hwb. d. mineralogie (1825) 2, 787; s. auch Schmidt geolog.-mineralog. wb. (1921) 181 und Kende geogr. wb. (1928) 215, sowie unter vulkanberg.
2)
übertragen.
a)
von eruptiven vorgängen im leben der gesellschaft, besonders von der revolution: die ersten ausbrüche des tosenden vulkans (d. frz. revolution) störten diesen lehrreichen zeitvertreib (lektüre Montesquieus u. Rousseaus) Pfeffel pros. vers. 3 (1811) 16; in Rom wirbelt inzwischen der kreisende vulkan der revolution seine rauchwolken sinnbetäubend empor Mommsen röm. gesch. 3 (⁶1875) 352. auch von einem verborgenen gefahrenherd sozialer, zum ausbruch drängender gärung: freilich steht man überall jetzt in Deutschland auf politischen vulkanen (2. 5. 1807) Chr. G. Schütz an Jakobs 1, 277 f.; hieran knüpft eine reihe fester wendungen auf einem vulkan tanzen, stehen, schlafen u. ä., die vermutlich durch frz. schlagwörter der revolutionszeit wie 'nous marchons sur un volcan; les trônes sont sur un volcan' (s. zs. f. dt. wortforschg. 12, 86) oder 'vous êtes sur un volcan' (s. zs. f. dt. wortforschg. 10, 231) angeregt wurden (s. auch Wander sprichw. 4 (1876) 710): der könig von Neapel bewundert selbst das fest, womit man seine gegenwart honorirt; aber eine ahnung schwebt durch die erleuchteten prachtgemächer, und man erlaubt sich zu gestehen, dass man auf einem vulcan jubele Göthe I 41, 2, 373 W.; sie tanzten, ohne, wie die französische gesellschaft, zu wissen, dasz sie auf einem vulkan tanzten W. Raabe s. w. I 5, 262 Klemm; freier: ... wuszte auch nichts von der gefahr, sasz ahnungslos auf dem vulkan und fühlte sich unendlich wohl Kluge Kortüm (1940) 311; er (der in die hauptstadt Montezumas vorgestoszene Cortez) wuszte, dasz er am kraterrand eines vulkans lebte, der jeden augenblick ausbrechen konnte; bedenken wir, welche chance der kleine trupp der Spanier in dieser riesenstadt hatte C. W. Ceram götter, gräber u. gelehrte (1949) 350.
b)
metaphorisch von seelischer glut, flammender leidenschaft und affektausbrüchen:
so hat er ausgesprühet
der unauslöschliche vulkan,
der meine brust durchglühet
Pfeffel poet. vers. 3 (1790) 175;
(ich) bin ja nur ein zunder
und die liebe ein vulkan
Daumer Hafis (1846) 1, 58;
jetzt erscheint sie mir ... ganz anders, nun ich sehe, dasz die arbeitshast nur einen vulkan sinnenlust verbirgt Carl Hauptmann Einhart d. lächler 1 (1907) 200; niemand konnte eine lange zeit hindurch ... alle seine vulkane brennen haben, niemand konnte mehr als eine kurze zeit lang tag und nacht in flammen stehen ... von mal zu mal (war) das ende einer glutzeit schlimmer geworden ... (jedoch immer wieder) neuer brand, neuer ausbruch der unterirdischen feuer, neue glühendere werke, neuer glänzender lebensrausch Hesse Klingsors letzter sommer (1920) 154; in don Domenicos brust begann (nach dieser antwort seines sohnes) der vulkan (des zorns) seine gewohnte tätigkeit Werfel geschwister v. Neapel (1931) 120. vom menschen selbst, als herd innerer glut: und was bist du denn jetzt? fragte Hermann. was die meisten jungen männer meinesgleichen sind: ein ausgebrannter vulkan Holtei erz. schr. 7 (1861) 185; Bacon (war) kein abgrundtiefer vulkan wie (Giordano) Bruno Friedell kulturgesch. d. neuzeit (1929) 370; täglich muszte ich nun der klapprigen baronin Löwe einstige liebesabenteuer anhören und des professor Düttelius lächerliche klage, dasz er ein erloschener vulkan sei Ernst Penzoldt kleiner erdenwurm (1934) 32; er ... hörte das gefährliche unterirdische rollen des vulkanes mensch Kluge Kortüm (1940) 559.
c)
gelegentlich als metaphorische bezeichnung der tabakspfeife: es dauerte aber doch gar nicht lange, so ging mir die stimme aus, und bald hernach auch die pfeife; ich schob den portativ-vulkan ... verstimmt in die rocktasche zurück Gaudy s. w. 18 (1844) 40.
B.
komposita zu vulkan A 1.
1)
in geographischer fachsprache, von da (z. t.) auch in den allg. sprachgebrauch übernommen (z. t. auch zum eigennamen erstarrt, s. Meyers konv.-lex. 20 (1908) 277 s. v. vulkangebirge, -pasz u. -insel): vulkanausbruch, m., 'explosionsartiger ausbruch von gasen aus einem vulkanischen herd bzw. eruption des magmas': vulkanausbrüche befördern feurige lava und gasmassen aus dem schosze der erde herauf Knaurs weltatlas (1936) 19; auch in literarischem sprachgebrauch: nicht vulkanausbrüche oder springfluten können die seele des menschen lähmen mit dem gefühl der sinnlosigkeit des daseins, wohl aber der anblick einer endlosen menschenleeren vorortstrasze Kluge Kortüm (1938) 538. metaphorisch: zum erstenmal sah Ferdinand die kurzaufspringenden vulkanausbrüche des granateneinschlags Werfel Barbara (1929) 271. —
vulkanberg m.,
'durch einen eruptionskanal mit einem vulkanischen herd verbundener (meist erst durch eruptive anhäufung magmatischer stoffe gebildeter) berg': Supans einteilung stellt (durch eruption) aufgesetzte vulkanberge (strato- und homogene vulkane) den (durch abtragung) aufgedeckten (blosz homogenen) gegenüber Kende geogr. wb. (1928) 216; auf den flanken groszer vulkanberge treten sie (kleinere v.) oft als parasitäre kegel auf Brockhaus 19 (1934) 708. —
vulkanbogen m.,
'bogenförmige reihung vulkanischer erhebungen': Maron ..., der letzte ausläufer des groszen vulkanbogens, der sich von Neuguinea über Neupommern ... nach westen schlingt Behrmann im stromgebiet des Sepik (1922) 11. —
vulkangruppe f.,
'gruppenförmige häufung vulkanischer erhebungen': eine vulcangruppe bildet z. b. die insel Island Thiel landwirtschaftl. konv.-lex. 7 (1882) 624 (ebda auch vulkanreihe). —
vulkankegel m.,
'kegelförmige aufschüttung magmatischer stoffe rings um die kratermündung': parasitische vulkankegel ... (heiszen) die auf seitlichen, durch den druck des aufsteigenden magmas aufgerissenen spalten des eigentlichen vulkankegels aufsitzenden kleineren kegel Kende geogr. wb. (1928) 150; um die vulkankegel herum schlingt sich das meer Behrmann im stromgebiet des Sepik (1922) 29. —
vulkanlandschaft f.,
'durch vulkanische erscheinungen beherrschte landschaft': es ist dies (Neupommern im Stillen Ozean) eine der groszartigsten vulkanlandschaften der erde Behrmann im stromgebiet des Sepik (1922) 24. —
vulkanschlot m.,
'eruptionskanal': die allmähliche erstarrung (des glutflusses) zum gestein wird von auszen nach innen vor sich gehen, damit verbundene vulkanschlote werden allmählich zur ruhe gelangen Gripp in: buch der natur (1935) 138 Klein.
2)
in chemisch-mineralogischer fachsprache; erstes kompositionsglied vor bezeichnungen von stoffen, die wegen ihrer chemischen (bzw. mineralogischen) zusammensetzung oder der art ihres vorkommens auf den sachbereich des vulkans bezogen werden: vulkanblende, f., schon früh lexikalisch gebucht (s. blende teil 2, 103): vulkanblende amphibole cristallisé Schaffer dt.-frz. 3 (1838) 586ᵇ; ebenso bei Beil technolog. wb. (1853) 636 und Mozin wb. 4 (1856) 1135. —
vulkanfiber f.,
'ein kunststoff, bestehend aus hydratisierter zellulose' Brockhaus 19 (1934) 709 (s. fiber teil 3, 1612), ähnlich bei Karmarsch-Heeren techn. wb. 10 (1889) 141, Remy chem. wb. (1924) 378 und Pietsch wb. d. warenkde. (1919) 232. —
vulkanglas n.,
'die bei vulkanen gefundenen glasartigen schlacken, die ... meistens schwarze farbe ... und mitunter eine solche härte haben, dasz sie, am stahle gerieben, feuer geben und zu verschiedenen künstlichen dingen verarbeitet werden' Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 598; bei Beil: vulkanglas quartz concrétionée ... clustering quartz technolog. wb. (1853) 636; ähnlich bei Karmarsch-Heeren techn. wb. 10 (1889) 141 und Eger technolog. wb. (1884) 892; s. auch Brockhaus 7 (1930) 394 s. v. (hart-)glas. —
vulkanöl n.,
'ein rückstandöl aus stein- oder braunkohlenteer' Brockhaus 19 (1934) 709; ähnlich bei Sanders fremdwb. (1871) 605, Karmarsch-Heeren techn. wb. 10 (1889) 141, Eger technolog. wb. (1884) 892 und Krebs techn. wb. (1908) 1 (dt.-engl.) 140. —
vulkanschörl m.,
vereinzelt lexikalisch bezeugt (s. schörl teil 9, 1578): vulkanschörl ... schorl volcanique Schaffer dt.-frz. 3 (1838) 586ᵇ; ähnlich bei Beil technolog. wb. (1853) 636 und Eger technolog. wb. (1884) 892. —
vulkanwacke f.,
vereinzelt lexikalisch nachweisbar (s. wacke teil 13, 204): vulkanwacke ... produits volcaniques Schaffer dt.-frz. 3 (1838) 586; ebenso bei Mozin wb. 4 (1856) 1135.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1951), Bd. XII,II (1951), Sp. 2022, Z. 32.

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Zitationshilfe
„vulkanschorl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vulkansch%C3%B6rl>.

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